Bislang größter Massengentest bei Suche nach Sexualstraftäter
Dresden (ddp). Der bislang größte Massengentest der deutschen Kriminalgeschichte läuft in dieser Woche im Raum Dresden an. Notfalls sollen in den kommenden Monaten insgesamt 100 000 Männer zur Abgabe einer Speichelprobe gebeten werden, kündigten Polizei und Staatsanwaltschaft an. Am 15. und 16. Juli sind zunächst 3100 Männer aus Coswig zum DNA-Test aufgefordert, das Wochenende darauf mehr als 3100 Männer aus dem Stadtteil Dresden-Klotzsche. Bei dem Personenkreis handelt es sich um alle 25- bis 45-jährigen, die zwischen 1,65 und 1,85 groß sind.
Die 20-köpfige Sonderkommission «Heller» verspricht sich davon eine Spur zu dem Sexualstraftäter, der im September 2005 eine Neunjährige im Dresdner Norden und im Januar 2006 in Coswig eine Elfjährige überfallen und missbraucht haben soll. Dabei setzt sie laut Soko-Chef Hans-Gerd Läsker darauf, durch negative Tests den Kreis um den Täter immer enger ziehen zu können, der sich noch hinter etwa 100 000 Personen verstecken könne. Ein Abgleich der DNA-Probe mit Genmaterial von rund 1000 Männern, darunter bereits registrierte Sexualstraftäter, hat Läsker zufolge bislang zu keinem Ermittlungserfolg geführt.
Große Übereinstimmungen bei Täterbeschreibung
In beiden Fällen hatte der Mann die Mädchen an einem Dienstagabend in sein Auto gezerrt, sie im Wald missbraucht und in der Nähe des Entführungsortes wieder abgesetzt. Auch die Täterbeschreibungen beider Opfer weisen nach Angaben der Polizei große Übereinstimmungen auf. Danach ist der Gesuchte 30 bis 40 Jahre alt, etwa 1,70 bis 1,80 Meter groß, von schlanker Gestalt und trägt einen Ohrring.
Soko-Chef Läsker betonte, dass von den 700 Bürger-Hinweisen fast alle abgearbeitet worden seien - allerdings ohne heiße Spur. «Wir brauchen einen neuen Schub», begründete er die Entscheidung für den Massengentest. Diesem liegt ein Beschluss des Dresdner Amtsgerichts zugrunde. Die Speichelprobe sei zwar freiwillig, allerdings würden die betreffenden Personen einen aktiven Beitrag zur Ermittlung des Täters leisten, betonte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius.
Die vom Gentest betroffenen Männer in Coswig und Klotzsche werden ein persönliches Anschreiben der Polizei erhalten. Solange sich durch die Auswertung der DNA-Proben keine neuen Anhaltspunkte ergeben, wird der Test in den umliegenden Kreisen fortgesetzt. Die Untersuchung kann nach Einschätzung von LKA-Präsident Paul Scholz weitaus länger als ein Jahr dauern.
Die Kosten für die Analyse einer Speichelprobe bezifferte das LKA auf 15 bis 25 Euro. Wenn keine Übereinstimmung mit der vom Täter hinterlassenen DNA-Spur festgestellt werde, würden Proben und Daten sofort vernichtet, versicherten die Ermittler. Es gebe keine Speicherung in der DNA-Analysedatei.
10.07.2006

