Großvater missbrauchte jahrelang seinen Enkel - Lange Haftstrafe
Köln (ddp-nrw). Weil er seinen zur Tatzeit zehnjährigen Enkel jahrelang
sexuell missbraucht hat, muss ein 58-Jähriger für acht Jahre hinter Gitter.
Das Kölner Landgericht verurteilte den Handelsvertreter für Backmaschinen auch wegen des Besitzes von kinderpornografischen Schriften. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre und sechs Monate gefordert.
Der angeklagte Großvater hatte laut Anklage in mehr als 44 Fällen seinen
Enkel über einen Zeitraum von vier Jahren mit Schnüffeldrogen («Poppers»), Alkohol und Cannabis gefügig gemacht, um das «solcherart willenlos gemachte Opfer» immer wieder zu missbrauchen. Im Keller seiner Wohnung hatte der bekennende homosexuelle Mann eigens eine Schaukel angebracht, auf der er das nackte Kind festband, um sich dann «mit besonders erniedrigenden, beischlafähnlichen Handlungen» an de schmächtigen Schüler zu vergreifen. Den Missbrauch hatte der Angeklagte mit der Kamera festgehalten.
Opa verweigerte die Aussage
Im Prozess hatte der Großvater auf Anraten seiner Verteidiger geschwiegen, im Vorfeld allerdings zu Protokoll gegeben, sämtliche Handlungen seien ausschließlich auf Wunsch und Drängen des Kindes passiert. Mit den Fotos habe der Junge ihn gar «erpressen wollen». Sich selbst hatte er in der Rolle eines «gutmütigen Trottels» gesehen.
«Das ist eine bodenlose Unverschämtheit, so eine Lüge in die Welt zu
setzen», hielt der Vorsitzende Richter dem Angeklagten im Urteil vor und
nahm darin kein Blatt vor den Mund: «Sie haben mit ihren beispiellosen
Übergriffen sich den Jungen regelrecht zugeritten und mit Drogen so fertig
gemacht, dass er ihnen allzeit zur Verfügung stand», hieß es weiter in der
Urteilsbegründung.
Weil die Aussagen des Opfers nach Bekundungen eines psychiatrischen
Sachverständigen nicht gewertet werden konnten, da der Junge «nicht in
der Lage sei, Erlebtes in Erinnerung zu rufen» - möglicherweise als Folge der damals massiv verabreichten Schnüffeldroge - hielt das Gericht lediglich drei Fälle des angeklagten Missbrauchs für nachgewiesen.
07.05.2005 © e110

