04.02.2006, 03:57
Tatort Wohnzimmer: Cyber-Cops sind Kinderp.r.ogr.f.e im Internet auf der Spur
Hannover (ddp-nrd). Kriminalkommissar Jörg Pecanic betrachtet aufmerksam die Bilder im Internet. Der 47-jährige Cyber-Cop arbeitet seit knapp vier Jahren in der Ansprechstelle Kinderp.r.ogr.f.e des niedersächsischen Landeskriminalamtes (LKA). «Ich will diese pädokriminellen Triebtäter an den Pranger stellen und so se*uel*en Mis*bra*ch von Kindern eindämmen», sagt Pecanic.
Er sammelt Hinweise, gibt sie an die zuständigen Landesstellen weiter und führt eigene Ermittlungen. «In den vergangenen Jahren hat die Kinderp.r.ogr.f.e im Internet deutlich zugenommen», sagt er. Das liege auch daran, dass die Computertechnik billiger und die Bedienung einfacher geworden sei. «Der Pädokriminelle muss nicht an den Kiosk gehen, um sich mit kinderpornografischen Heftchen zu versorgen. Im Tatort Wohnzimmer ist er anonymer», sagt Pecanic.
Recherche in Newsgroups und Chat-Foren
Mit Suchmaschinen recherchiert auch seine Kollegin Anke Cleve in so genannten Newsgroups und beobachtet Chat-Foren. Die Tätersuche im Internet ähnele der Fahndung nach Autobesitzern, über das Kennzeichen werde der Halter ermittelt. «Im Netz ist die IP-Adresse das Kennzeichen», sagt Cleve. So könnten E-Mails bis zum Absender zurückverfolgt werden. «Wenn wir einen der Urheber erwischen, können wir oft feststellen, wem er sein Material geschickt hat.» Wer als Adressat auf einer Mailing-Liste auftauche, könne als Nutzer von Kinderp.r.ogr.f.e betrachtet werden. Dann drohe ein Strafverfahren.
Viele User versuchen deshalb, sich anonym im Internet zu bewegen. Wie sich Einbrecher Handschuhe anziehen, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, gebe es auch im Internet Möglichkeiten, seine Identität zu verbergen, sagt der 47-Jährige. Mit ein wenig Aufwand könne jeder seine E-Mail-Adresse verschleiern. In PC-Magazinen werde dies genau erklärt.
«Kinderp.r.ogr.f.e im Internet entwickelt sich offenbar zum neuen Volkssport»
Die Erfolgsquote der niedersächsischen Polizei in diesem Bereich sei dennoch hoch, sagt Pecanic. Mehr als 70 Prozent der angezeigten Fälle würden aufgeklärt. Dem 47-Jährigen ist jedoch bewusst, dass die Dunkelziffer derartiger Delikte schwer zu schätzen ist. Die Zahl der Pädokriminellen sei zwar nicht gestiegen, sagt Pecanic. Aber die Kommunikationstechniken erleichterten immer mehr Menschen den Zugang. «Kinderp.r.ogr.f.e im Internet entwickelt sich offenbar zum neuen Volkssport», betont der Kriminalkommissar. «Doch die Betrachter der Bilder bedenken nicht, dass diese Bilder einen tatsächlich stattgefundenen se*uel*en Mis*bra*ch dokumentieren», fügt er hinzu.
Erst vor zwei Wochen wurden bei einer Razzia 16 Wohnungen in Niedersachsen durchsucht und 14 Tatverdächtige festgenommen. Zahlreiche Computer, CDs, DVDs, Disketten und Videokassetten wurden sichergestellt, die nun auch von Pecanic gesichtet werden.
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hat unterdessen angekündigt, das Personal im LKA im Laufe des Jahres um acht Spezialisten aufstocken. Diese sollen rund um die Uhr anlassunabhäng recherchieren. Zusätzlich wurde ein Sichtungsgerät angeschafft, das die Auswertung der Bilder vereinfacht und beschleunigt.
Nach Angaben des Ministeriums wurden 2004 in Niedersachsen 480 Fälle des Besitzes von Kinderp.r.ogr.f.e registriert gegenüber 182 Fällen im Jahr zuvor. Die Verbreitung derartiger Materialien sei im gleichen Zeitraum um 58 Prozent auf 243 Fälle gestiegen.
Weitere Informationen zum Thema beim Landeskriminalamt Niedersachsen.
27.01.2006 (c) e110.de
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IP-Adressen: Die Spur von Internet-Nutzern
Hannover (ddp-nrd). Das Surfen im World Wide Web ist keine so anonyme Angelegenheit, wie mache Internetnutzer glauben mögen. Unverschlüsselte E-Mails sind keine elektronischen Briefe, sondern digitale Postkarten, die mit ein wenig Aufwand fast jeder lesen kann. Darüber hinaus hinterlässt jeder Ausflug ins Internet eine Datenspur.
Diese beginnt bei der Einwahl ins Internet: Jeder Rechner erhält eine so genannte IP-Adresse. Dabei handelt es sich um eine Zahlenkombination, über die der PC eindeutig identifiziert werden kann. Da das Internet-Protokoll (IP) jedoch bei weitem nicht so viele Adressen zur Verfügung stellt, wie inzwischen Rechner ans Internet angeschlossen sind, weist der Provider dem Computer in der Regel eine dynamische IP-Adresse zu.
Der Rechner bekommt bei jedem Ausflug ins Netz einen anderen dieser Zahlencodes. Eindeutig zu identifizieren ist der Rechner daher nur dann, wenn die IP-Adresse mit den Daten des Providers in Verbindung gebracht werden kann. Auf diese Weise können Strafverfolgungsbehörden etwa die Verbreiter von Kinderp.r.ogr.f.e ausfindig machen.
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